Kunstvolles Bemalen und Dekorieren
Mit feinem Pinselstrich
Zierliche Tupfen, Karos und Linien, kunstvoll verlaufende Flächen oder ausdrucksstarke Gesichter: Oft ist es erst die Bemalung, die den Figuren aus dem Erzgebirge ihren unverwechselbaren Charakter verleiht. Der meisterhafte Umgang mit Pinsel und Farbe wird im Erzgebirge seit Jahrhunderten kultiviert und macht bis heute Figuren einzigartig.
Wunderbare Winzigkeiten
Vorsichtig und sehr gezielt nähert sich die Pinselspitze dem weißen Kleid des Püppchens. Die Hand der Malerin, die den feinen Naturhaarpinsel führt, ist völlig sicher und ruhig.
Und dann geht alles ganz schnell: Strich für Strich entspinnt sich auf dem Puppenkleid ein filigranes Blütenmuster – so detailreich und zart, dass man die Feinheiten mit bloßem Auge kaum erkennen kann. Diese Liebe zum Detail ist es, die die kleinen Kostbarkeiten aus den Werkstätten Flade in Olbernhau zu großen Träumen für alle werden lässt, die die Kindheit tief im Herzen tragen.
MIT ENGELS- GEDULD
Viele der über 600 Figuren, die bei der Erzgebirgischen Holzkunst Gahlenz entstehen, zeichnen sich durch eine besonders aufwändige Bemalung und eine hochprofessionelle Lackierung aus. „Bevor eine Figur bemalt werden kann, bedarf es aufwändiger Vorbereitungen“, erklärt Geschäftsführer Gundolf Berger.
„Zunächst werden die Figuren grundiert. Kleinere werden kopfüber in einen Topf mit meist weißer Grundfarbe getaucht, größere werden von Hand gestrichen oder in der Lackiererei gespritzt. Dann werden sie zwischengeschliffen, da die Holzfasern durch die Farbaufnahme erst einmal wieder aufstehen. Nach dem Schliff wird der zweite Grund aufgebracht, und erst dann beginnt die Malerin oder der Lackierer mit der endgültigen Farbgebung. Ornamente, Dekorationen und Details werden alle von Hand aufgemalt.“
HAUCHFEINE ORNAMENTE
Mehr als 700 Engel spielen im großen Orchester von Figurenland Uhlig aus Seiffen. Betrachtet man sie, fällt eines sofort ins Auge: die wunderschöne, überaus detailreiche Bemalung. Das Alphorn ist mit Blütenornamenten verziert, das Didgeridoo mit exotischen Mustern. Bei den Streich- und Zupfinstrumenten ist jede Saite einzeln aufgemalt, hauchfein, nur wenige Millimeter stark. Und die E-Gitarre sieht so echt aus, als könne man wirklich darauf spielen. Die Liebe zum Malen hat Mutter Karin in die Firma eingebracht. Sie hat ihr Handwerk von der Pike auf beim berühmten Gestalter Hans Reichelt gelernt. Schon in ihrer Lehrzeit durftesie sich als Gesichtsmalerin beweisen. Später gab sie ihr Können antalentierte Nachwuchsmalerinnen im Unternehmen weiter. Bis heute erstrahlen die Gesichter und Ornamente der Figuren von Kunstgewerbe Frieder und André Uhlig in ganz besonderem Detailreichtum.
FINGERFERTIGKEIT VOM FEINSTEN
Ganz vorsichtig nimmt die erfahrene Malerin den kleinen
Faltenrockengel indie Hand. Behutsam, doch mit hoher Präzision
setzt sie den feinen Pinsel an,dessen Spitze so zart ist, dass man fast die Härchen zählen kann. Doch sie weiß genau, was sie tut: Mit sicherem Strich zieht sie die Farbe übers Holz – der Engel
bekommt sein Gesicht. „Das ist der Moment, in dem die Engel zum Leben erwachen“, sagt Uwe Blank, dessen Großvater Georg Beyer die Faltenrockengel 1948 erfand. Seitdem werden sie in den Grünhainichener Werkstätten von Blank Kunsthandwerk gefertigt – und so wie der Name verrät, steckt in jeder Figur bis heute ganz viel „Kunst“ und „Hand“. „Wenn Gäste unsere Engelwerkstätten besuchen, staunen sie oft und sagen: ‚Ihr macht das ja wirklich alles mit der Hand!‘“, erzählt Uwe Blank. „Ja, das hier ist gute, ehrliche Handarbeit. Was für uns normal
erscheint, versetzt andere immer wieder in Begeisterung“.



